Das Stärkenmodell – Teil 2 – die eigenen Stärken erkennen

Das Stärkenmodell Teil 2

Heute geht es in diesem zweiten (von insgesamt drei Beiträgen) zum Stärkenmodell weiter. Im meinem ersten Beitrag zu diesem Thema bin ich darauf eingegangen, was das Stärkenmodell genau ist. Heute gehe ich genauer auf die ersten beiden (von insgesamt vier) Schritten in der Umsetzung des Stärkenmodells ein. Hier geht es nochmals zum ersten Beitrag.

  • Schritt 1: Wie Sie herausfinden können, was Ihre ganz besonderen Stärken sind (es geht um „Stärken-Klarheit“)
  • Schritt 2: Was Sie dann mit diesem Wissen anfangen – im Besonderen, wie Sie es auf Ihre gegenwärtigen Tätigkeiten und Projekte übertragen und nutzen können. Sie werden Ihre ganz eigene „Aktivitäten-Matrix“ erstellen.

Auf die beiden noch fehlenden Schritte, gehe ich dann noch gesondert in einem dritten Beitrag ein, indem ich Ihnen aufzeige, wie Sie Ihren ganz persönlichen „Stärken-Fahrplan“ kreieren und wie Sie Andere ins Boot holen, um ein “Stärken Team” aufzubauen.

Was genau ist eine Stärke? 

Beginnen wir damit zu definieren, was genau eine Stärke darstellt. Für mich drückt sich eine Stärke durch zwei wichtige Merkmale aus.

  1. Top-Resultate &
  2.  Top-Gefühle

Wenn diese beiden Dinge zusammen kommen, dann handelt es sich für mich um eine einzigartige Stärke (ES). Ich unterscheide zwischen Stärken und einzigartige Stärken. Mein Mentor Jack Black hatte mich auf diesen kleinen aber doch sehr wichtigen Unterschied aufmerksam gemacht.

Eine Stärke (S) ist, wenn ich etwas immer wieder sehr gut hinbekomme. Ich Top-Resultate kreiere, sich aber bei mir dabei aber kein Top-Gefühl einstellt. Ich kann es, aber es motiviert mich nicht mehr sehr. Deshalb möchte ich diese Dinge irgendwann einmal auch nicht mehr tun. Denn man kann hier irgendwann auch „gefangen“ bleiben oder sogar zu einem Burnout führen. Wir können es, der Erfolg ist da, aber wir haben irgendwann keine Begeisterung mehr dafür.

Wenn ich Beides erlebe, ein Top-Resultat und gleichzeitig auch ein Top-Gefühl (das es uns mental und emotional stärkt), dann ist das eine einzigartige Stärke (ES).

Das Ziel vom Stärken-Modell ist es, das Sie die meiste Zeit mit Ihren einzigartigen Stärken (ES) verbringen. Denn nur dann ist eine Stärke auch wirklich eine echte Stärke. Wenn wir einfach nur gut in etwas sind, es uns aber mental und emotional nicht sehr begeistert, dann können wir unsere guten Resultate auch nicht mehr so richtig genießen. Es ist heute wichtiger als jemals zuvor, dass wir nicht nur Dinge tun, die wir gut können. Sondern vor allem die Dinge tun, die uns emotional gut tun. Sonst besteht die Gefahr von einem Burnout.

StärkenmodellEs entstehen 4 Rubriken

Wer dieses Model beruflich nutzen möchte, oder der sehr bewusst die eigenen Erfolgschancen steigern möchte, des muss sich hier auf  S  & ES   fokussieren. Denn kein Unternehmen möchte Ihnen ein Gehalt dafür bezahlen, dass Sie etwas tun, was Sie zwar lieben es aber nicht besonders gut können. Das ist eher etwas, was Sie gerne für sich zu Hause – als Hobby – machen können. Wenn aber Ihr Einkommen und beruflicher Erfolg davon abhängt, müssen Sie sich von diesen Dingen bewusst trennen.

Woran erkennen Sie „Top-Resultate“ und „Top-Gefühle“? 

Es gibt zwei wichtige Merkmale um Top-Resultate zu erkennen:

  1. Sie können es besser, leichter, schneller erlernen und erfolgreich umsetzen als die meisten anderen. Es geht Ihnen „leicht von der Hand“. Eine Begabung im Erlernen, ist ein guter Hinweis für eine Stärke.
  2. Sie kreieren, auch hier wieder im Vergleich zu den meisten anderen Menschen, beständig überragende Leistungen, Ergebnisse und Resultate. Werden von anderen hierfür immer wieder gelobt. Beständiger Erfolg ist ein guter Hinweis für eine Stärke.

Top-Gefühle lassen sich an den nachfolgenden Hinweisen sehr gut erkennen:

  1. Es macht Ihnen Spaß und Freude.
  2. Sie empfinden eine Begeisterung dafür. Sie lieben es (mental, emotional und/oder intellektuell). Es gibt Ihnen eine hohe Befriedigung. Sie gehen darin voll auf. Es motiviert Sie. Sie haben ein starkes Interesse daran (Neugierde – wollen mehr darüber erfahren). Sie beschäftigen sich gerne damit.
  3. Es gibt Ihnen sehr viel Energie / Kraft – es aktiviert, stärkt und nährt Sie.
  4. Sie können sehr konzentriert sein.
  5. Sie möchte mehr davon machen.
  6. Sind sehr kreativ, intuitiv und lösungsorientiert. Ideen fallen Ihnen leichter ein.

Lassen Sie uns nun mit dem ersten von 4 Schritten zum Umsetzen des Stärkenmodells beginnen.

Schritt 1: Stärken-Klarheit. Wie Sie herausfinden können, was Ihre ganz besonderen Stärken sind. Die erste wichtige Aufgabe ist es, die eigenen Stärken (S & ES) zu erkennen.

Wie erkennen – finden wir heraus – was unsere Stärken sind? 

Es ist wichtig, dass Sie bei den nachfolgenden Vorgehensweisen, so genau (detailliert) und spezifisch wie möglich vorzugehen. Wir wollen ganz spezifischen Dinge (Aktivitäten) finden, die Ihren Stärken entsprechen. Nicht einfach nur abstrakte Konzepte und Vorstellungen. Wenn Sie z.B. Aufschreiben, das einer Ihrer Stärken ist, „mit Menschen umgehen zu können“, dann ist das viel zu unspezifisch. Mit welchen Menschen? Was genau machen Sie so hervorragend mit diesen Menschen? In welchen Situationen können Sie das besonders gut?

Lassen Sie uns am besten mit einer Selbsteinschätzung beginnen.

Selbsteinschätzung 

Es lohnt sich in der Tat, sich ein wenig Zeit zu nehmen, um selbst für einen herauszufinden, was die eigenen besonderen, einzigartigen, Stärken sind.

top-gefühle-und-top-resultate-liste das stärkenmodell Sie können zuerst mit einem „reflektiven“ Prozess beginnen. Sie denken über Ihr Leben und das was Sie regelmäßig tun machen und listen dann alles das auf, wo Sie immer wieder Top-Resultate erlebt und/oder wann Sie (bei welchen Dingen & Aktivitäten) ein Top-Gefühl wahrgenommen haben.

 

 

Stärken-Karten nutzen

Alternativ oder zusätzlich zur zuvor genannten reflektiven Vorgehensweise können Sie mit

ES-Stärken-Karten01-300„Stärken-Karten“ arbeiten. Das Ziel ist, jeden Tag 3 Karten zu schreiben. Wenn Sie das 8-12 Wochen machen, dann haben Sie ein recht klares Bild von Ihren Stärken. Ich nutze hierzu handelsübliche Karteikarten Din A7 (10,5 x 7,4 cm).

Ihre Aufgabe ist es hier, sich dann selbst zu erwischen, also genau dann in diesem Moment, wenn Sie Ihr Stärken gerade ausleben (ein Top-Erlebnis und/oder ein Top-Gefühl hatten). Und dann schreiben Sie es auf eine kleine Karte auf.  Top-Erlebnis: was hat gerade hervorragend funktioniert? Top-Gefühl: wie hat es sich angefühlt?

Wenn Sie wollen können Sie, wenn Sie ein paar von diesen Karten bereits geschrieben haben, diese sich an jedem Montagmorgen, bevor die Arbeit beginnt, kurz durchlesen und sich dann selbst fragen: wie kann ich das heute (in dieser Woche) mehr / öfters erleben?


Fremdeinschätzung 

Eine Fremdeinschätzung ist immer ein sehr hilfreiches Instrument. Denn man erkennt selbst oftmals die eigenen Stärken gar nicht. Ihre Stärken sind auch die Dinge, die anderen auffallen, die andere an Ihnen schätzen. Es lohnt sich daher 5-7 Personen zu fragen, was Ihre Stärken sind.

Am besten schreiben Sie diesen Personen eine kurze Email mit der bitte Ihnen mitzuteilen, was nach deren Einschätzung Ihre Top3 Stärken / Talente sind.

Diese Personen sollten Sie schon sehr gut kennen. Es kann sich um einen Lebens-, Ehepartner, Geschwister, Kollegen, Vorgesetzte, ggf. sogar um externe Kunden handeln.


Erstellen Sie Ihr Stärken-Profil  

Gemeinsam aus der Selbst- und Fremdeinschätzung erstellen Sie eine Liste (Ihr Stärken-Profil) mit Ihren Starken (S) und Ihren ganz besonderen Stärken (ES).

Das ist ein sehr wichtiges Instrument und Basis für Ihre Karriere, aber auch für Ihre persönliche Effektivität und Produktivität, ebenso für Ihre Motivation und natürlich für Ihren Erfolg.

Fantastisch. Sie haben den ersten Schritt erfolgreich abgeschlossen. 

Kommen wir nun zum zweiten Schritt: Wie Sie Ihre Stärken auf Ihre gegenwärtige Tätigkeit und Projekte übertragen und nutzen können.


Kreieren Sie Ihre „Aktivitäten-Matrix“

Bild: Photospin - das Stärkenmodell - Aktivitäten Matrix
Bild: Photospin

Nun ist es an der Zeit, das Stärken-Modell in Verbindung zu bringen, mit dem was Sie im Augenblick tun (Ihren gegenwärtigen Tätigkeiten, Ihrer Arbeit, Ihren Projekten etc.). Das Instrument das wir hierzu nutzen, ist die nachfolgende „Aktivitäten-Matrix“.

Diese Matrix besteht aus vier Feldern. Jedes dieser Felder repräsentiert ein bestimmtes Erlebnis (Gefühl) dar, dass Sie mit den unterschiedlichsten Aktivitäten Ihrer täglichen tun in Verbindung bringen (also dabei wahrnehmen können).

 

Fangen wir ganz unten links in der Matrix an.

Diese Feld wir „IK“ – Inkompetent genannt. In dieses Feld tragen Sie alle die Aktivitäten Ihres täglichen Lebens ein, bei denen Sie (während Sie diese Dinge tun) folgendes wahrnehmen:

  1. Diese Dinge gelingen Ihnen nicht sehr gut – Sie erleben vor allem Misserfolge
  2. Es frustriert Sie (demotiviert Sie)
  3. Es raubt Ihnen Energie, Sie sind unkonzentriert, es belastet Sie
  4. Sie erleben viel Stress

Gerade bei diesem Feld ist es nicht immer so leicht wirklich ehrlich zu sich selbst zu sein. Wer mag schon gerne zugeben, in etwas „inkompetent“ zu sein. Und doch es wichtig und notwendig, gerade bei diesen Aktivitäten wirklich ehrlich zu sein. Gehen Sie durch Ihren Tag und Ihre Woche und fragen sich dann, „Was machen Sie jeden Tag, wo Sie dieses Gefühle von IK wahrnehmen?“ Und diese Aktivitäten schreiben Sie dann in diesen Quadranten – dieses Feld.

Das zweite Feld steht für: Kompetent sein (K). Hier tragen Sie die Dinge Ihres täglichen Tuns ein, wo Sie folgendes Gefühl und Erlebnis wahrnehmen können:

  1. Sie erfüllen hier nur einen sehr einfachen Mindeststandard
  2. Viele Andere können das genauso gut wie Sie (hoher Wettbewerb)
  3. Angst, höheren Anforderungen nicht entsprechen zu können
  4. Gefühl von Wiederholung & vielleicht auch Langeweile

Kommen wir jetzt zur oberen Hälfte der Matrix.

Oben links ist der Bereich der Aktivitäten, die Sie hervorragend hinbekommen, wo es aber an einem guten inneren Gefühl fehlt. Das sind Ihre Stärken (S). Hier tragen Sie all die Dinge Ihres täglichen Tuns ein, wo Sie folgendes Gefühl und Erlebnis wahrnehmen (hier können Ihnen Ihre „Stärken-Karten“, falls Sie diese bereits kreiert haben) sehr gut helfen:

  1. Kreieren beständig Top-Resultate
  2. Sie haben sich hier einen sehr guten Ruf erarbeitet
  3. Andere im Team verlassen sich bei diesen Dinge sehr auf Sie
  4. Nur geringe interne Begeisterung (es kommt kein so richtiges Top-Gefühl mehr bei Ihnen dabei auf).

Und dann oben rechts kommen wir zum letzten Quadranten. Das sind die Dinge, die Sie nicht nur hervorragend können, sondern die Ihnen auch ein tolles Gefühl geben. Das sind Ihre einzigartigen Stärken (ES). In diesen Quadranten tragen Sie die Dinge Ihres täglichen Tuns ein, bei denen Sie das nachfolgende Gefühl und Erlebnis wahrnehmen (auch hier können Ihnen Ihre „Stärken-Karten“ helfen):

  1. Kreieren beständig Top-Resultate
  2. Hohe Begeisterung: Sie freuen sich sehr darauf es zu tun. Sie möchten diese Dinge unbedingt machen (melden sich sogar gerne freiwillig dafür)
  3. Sie sind dabei sehr konzentriert, es gibt Ihnen Energie, es stärkt Sie, es erfüllt Sie, die Zeit verfliegt wie im Flug.
  4. Sie möchten darin sogar noch besser werden. Sie haben Lust darauf sich darin weiterentwickeln, darin noch besser zu werden.

Klarheit entsteht

Wenn Sie wirklich ehrlich waren und sich genügend Zeit für diese Übung genommen haben, dann haben Sie alle Ihre täglichen Aktivitäten in eines der vier Felder dieser Matrix eingetragen. Jetzt wissen Sie, welche Tätigkeiten Ihnen gut tun und welche Sie stressen.

Im nächsten Beitrag gehe ich auf die noch fehlenden Schritte 3 und 4 genauer eingehen: wie Sie Ihren ganz persönlichen „Stärken-Fahrplan“ kreieren (der Ihnen hilft, dass Sie mehr und mehr Ihre Stärken ausleben) und wie Sie Andere ins Boot holen, um ein „Stärken-Team“ aufzubauen.


Bleiben Sie dran und nutzen Sie das Stärkenmodell auch für Ihr Leben.  

Zusatz-Idee: Wenn Sie Lust haben, können Sie noch gerne eine kleine zusätzliche Ist-Aufnahme erstellen. Tun Sie einfach nur für 1 Woche ein Zeitjournal führen. Notieren Sie sich wie viel Zeit Sie in dieser Woche in der oberen Hälfte der Aktivitäten-Matrix (Bereiche S & ES) und wie viel in der unteren Hälfte (IK & K) verbracht haben. So entsteht ein ehrliches Bild Ihrer gegenwärtigen Situation.

Viel Spaß beim erstellen Ihres Stärken-Profils und Ihrer Aktivitäten-Matrix.

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