Verdammt, meine Hosen passen nicht mehr 

Hose passt nicht mehr

Ja, es geht um das Thema Zunehmen bzw. Abnehmen. Ein leidiges Thema. Meistens entsteht der Stress dann, wenn wir natürlich zunehmen. Wenn auf einmal die Hose, die vor 4 Monaten noch so gut gepasst hat, „plötzlich“ einfach zu eng geworden ist.

Mir geht es hier auch nicht anders als ca. 70% der deutschen Bevölkerung. Wir haben einfach einen sehr guten Lebensstil, wir sitzen eindeutig viel zu viel und lieben unsere hart erarbeitete Bequemlichkeit. Und die leckeren „ungesunden“ Dinge schmecken einfach immer noch zu gut.

Solange es irgendwie geht ist die Lösung sehr einfach: wir kaufen uns jedes Jahr einfach eine Hose die eine Nummer größer ist. Und da der Markt sich der Nachfrage angepasst hat, gibt es auch für alle „Übergrößen“ heute schon sehr schöne Sachen – die auch bequem online erworben werden können.

Mein Schock

Doch im Dezember 2014 hatte sich etwas in meinem Leben verändert. Ich war mit meiner Frau in San Francisco auf Urlaub. Wir hatten uns vorgenommen jeden Tag neue und interessante Plätze uns anzuschauen. Wir wollten viel zu Fuß unterwegs sein.

Der Tag begann, nach dem Frühstück, mit etwa 2 Stunden „herumlaufen“. Doch diese 2 Stunden sorgten dafür, dass der Rest des Tages nicht sehr schön war. Ich hatte nach diesen 2 Stunden gehen einen beständig anhaltenden und sehr starken Schmerz in meinem unteren Rücken. Ich war buchstäblich nach 2 Stunden gehen „kaputt“.

Das hatte ich so, in dieser Strenge und Intensität, noch nie erlebt.

Das war ein starker und sehr lauter Weckruf

Heute weiß ich natürlich, dass es schon vorher viele kleine körperliche Hinweise gab, die ich einfach freundlicherweise „überhört“ hatte. Doch es gab sie natürlich. Deshalb musste es auch so kommen, dass irgendwann, wenn die vielen kleinen Hinweise nicht beachtet werden, der „große“ Hinweis kommt. Bei mir waren es starke und anhaltende Schmerzen.

Ich wußte, dass war ein Hinweis, den ich nicht mehr länger ignorieren konnte. Es war an der Zeit eine Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung ist sehr viel mehr als sich einfach nur mal vorzunehmen etwas zu probieren. Es ist auch mehr als nur ein Wunsch oder Hoffnung. Eine Entscheidung ist eine Verpflichtung, die man mit sich selbst eingeht.

Entscheiden: klären, anordnen, ein Urteil fällen und beinhaltet das Wort „scheiden“, was vor allem eines bedeutet, sich von etwas trennen (weglassen).

Und meine Entscheidung war, in 2015 wieder besser auf mich und meinen Körper zu achten. Ich kaufte mir dann noch in San Francisco, bevor es wieder nach Hause ging, eine schöne Jeans aus dem „Übergrößen“ Laden. Mein Gewicht lag zu diesem Zeitpunkt bei 129 kg.

Neue Gewohnheiten kreieren 

Ich begann meinen Lebensstil zu verändern. Ich wußte, dass Diäten mittel- bis langfristig einfach keinen Sinn machen. Also fing ich damit auch nicht an. Es ging für mich vielmehr darum ganz bestimmte Gewohnheiten zu verändern. Hier vor allem ein paar wenige neue hilfreichere Gewohnheiten zu kreieren und ein paar wenige alte belastende Gewohnheiten zu stoppen.

Hier nachfolgend ist die Grafik meiner Gewichtsreduzierung (von Januar 2015 bis Ende Oktober 2015). Ich habe mich gleich Morgens nach dem Aufstehen (in der Regel einmal in der Woche) gewogen. Immer am gleichen Wochentag und immer zu gleichen Uhrzeit und immer nur in Unterwäsche.

gewicht abnehmen

In KW1, der ersten Woche des Jahres 2015, wog ich noch 127 kg! Mein Ziel war es in 6 Monaten (also bis Ende Juni 2016) nur noch 110 kg zu wiegen.

War ich erfolgreich?

Ja, eindeutig. Heute, am 4 November 2015, wiege ich 115 kg. Insgesamt habe ich also in 10 Monaten 12 kg abgenommen. Und zwar alles ohne irgendwelche spezifischen Diäten zu machen. Ohne zu leiden, zu hungern oder auf sonst irgendetwas Schönes verzichten zu müssen.

Jetzt denken Sie vielleicht, aber mein Ziel was es doch 110 kg abzunehmen und das habe ich doch nicht erreicht? Das stimmt, ich habe es „noch“ nicht erreicht. Ich habe einfach mein Ziel auf den 31. März 2016 verschoben. Dann will ich meine 110 kg erreicht haben. Ich halte also weiterhin an diesem Ziel fest. Ich habe mich diesem Ziel gegenüber verpflichtet.

Wie habe ich das geschafft? 

Ich habe ganz einfach Drei Dinge beständig getan:

  1. Eine neue Tages- und Wochenroutine mit mehr körperlichen Aktivitäten kreiert
  2. Meine Ernährung sowie
  3. Meine Schlaf und Mobilität verbessert

Ich habe 3 Phasen durchlaufen

In diesen letzten 10 Monaten habe ich in Bezug auf dieses Ziel drei sehr interessante Phasen durchlaufen. Diese drei Phasen erlebe ich übrigens immer wieder wenn ich (oder andere Menschen) große und wichtige Ziele angehe.

Gewicht reduzieren

Phase 1: Begeisterung und erste gute Erfolge 

Alles fängt gut an. Mit einer hohen Motivation, mit viel Fokus und Bereitschaft für Veränderung geht es los. Das Resultat: erste schöne Erfolge treten ein. Mein Körper reagiert in den ersten 20 Wochen unglaublich gut auf meine regelmäßigen Aktivitäten. Ich verlor in diesen ersten 20 Wochen insgesamt 8,5 kg.

Phase 2: Wir erreichen ein Plateau 

Ab der KW 20 ließen die ersten tollen Erfolge auf einmal nach. In den nächsten 20 Wochen (von KW 20 bis KW 40) nahm ich insgesamt nur 0,5 kg ab. Frustration und Enttäuschung fängt an sich breit zu machen. Ich nahm in dieser Zeit nicht zu, aber eben auch nicht ab. Ich nehme keine tollen Erfolge mehr wahr.

Phase 3: Wir erreichen den nächsten Level

Ich gab nicht auf. Ich hielt an meinem Ziel fest und fing an über kleine Veränderungen und Verbesserungen in meiner Vorgehensweise nachzudenken. Und veränderte auch ein paar Dinge. Und weil ich nicht aufgab und weil ich kleine Verbesserungen vornahm, stellten sich die Erfolge wieder ein. In dieser dritten Phase nahm ich dann in 4 Wochen insgesamt wieder 3 kg ab.

Durch das Tal gehen

Die erste Phase fühlte sich toll an. Jede Woche gab es eine Gewichtsreduzierung.

Die zweite Phase fühlte sich gar nicht gut an. Es gab keine Gewichtsreduzierung mehr. Ganz im Gegenteil, es gab sogar Wochen, in denen ich wieder 1 kg mehr drauf hatte als die Woche zuvor. Und das ist die Phase – der Moment – wo die meisten Menschen aufgeben. Dann gibt es keine dritte Phase mehr. Dann ist man einfach nur enttäuscht.

Innere Arbeit ist jetzt – in der Phase 2 – das Entscheidende 

Ich wußte, dass eine kontinuierliche Gewichtsabnahme nicht möglich ist. Der Körper gewöhnt sich an Veränderungen und dann gibt er auch nicht mehr so leicht sein „Gewicht“ her.

Meine innere Arbeit war vor allem die, an meinem Ziel festzuhalten und gleichzeitig zu überlegen, welche Veränderungen und Verbesserungen ich vornehmen konnte, um weiterhin Fortschritte machen zu können. Und hier war es vor allem eine wichtige Veränderung: ich fing an HIIT zu machen. Nur einmal die Woche (immer am Freitag Vormittag), für insgesamt 12 Minuten. Hierüber habe ich bereits in einem Beitrag geschrieben.

Dranbleiben – nicht aufgeben – und Verbesserungen vornehmen

Das ist es, was ich hier wirklich getan habe.

Das gleiche Erlebnis hatte ich auch mit dem Thema Mobilität. Hier war mein Ziel in einer tiefen Hocke 10 Minuten sitzen zu können.

Auch hier gab es eine erste Phase mit guten schnellen Erfolgen. Dann stellte sich wieder ein Plateau ein. Und auch hier nahm ich dann wieder kleine Veränderungen und Verbesserungen vor.

Ich habe wieder an meinem Ziel festgehalten und habe, wenn es temporäre Rückschläge gab, nicht aufgegeben. Ich habe mich auf meine Fortschritte fokussiert und dann wieder beständig jeden Tag meine kleinen Übungen fortgesetzt.

Und nach 7 Monaten hatte ich das Ziel erreicht.

Mobilität

Verdammt, meine Hosen passen nicht mehr!

Ja das stimmt bei mir. Nur sind sie nicht zu eng, sondern zu groß geworden. Ein tolles Erlebnis. Meine Hosen sind zu groß!

Mein Erfolgsrezept war:

  1. Entscheidung treffen (sich von allen anderen Optionen trennen)
  2. Beständig die wenigen wichtige Dinge für die Zielerreichung tun
  3. Wenn ein Plateau erreicht wird nicht aufgeben, höchstens Veränderungen und Verbesserungen vornehmen
  4. Um dann wieder weiterhin beständig die wenigen wichtigen Dinge zu tun – und zwar so lange bis man im Ziel ankommt

Ich bin kein Genie. Ich bin nicht besonders intelligent. Ich bin auch nicht immer sehr gut in der Umsetzung von dem was ich mir so alles vornehme. Was ich aber sehr gut kann ist den einfachen Gesetzen des Erfolges zu folgen. Und hier vor allem beständig das zu tun, was für den Erfolg notwendig ist. Und das kann wirklich jeder lernen.

Ich wünsche auch Ihnen viel Erfolg auf Ihrer Reise und den unterschiedlichen Phasen die Sie dabei durchlaufen werden. Ich denke, sie gehören alle irgendwie zur Reise mit dazu.

 

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