Vorsicht vor dem Upgrade Syndrom

Wenn es um Erfolg geht, habe ich etwas sehr Interessantes entdeckt: Vorsicht von dem Upgrade Syndrom! 

Es gibt auch immer eine Vielzahl von Dingen in unserem Leben die jetzt, ja heute, schon optimal, hervorragend,außergewöhnlich gut – also optimal sind. Die können nicht – auch durch noch so viel Anstrengung und Veränderung – noch verbessert werden.

Ja, auch das gibt es. Bereiche in unserem Leben in denen es gar nicht mehr darum geht, das diese Bereich noch besser werden. Hier geht es um etwas ganz anderes. Für diese Bereiche dankbar zu sein und diese jeden Tag bewusst zu genießen.

In diesen Bereichen zerstören sogar unsere Ambitionen diese tolle Dinge in unserem Leben. Weil wir das, was ja schon hervorragend ist, nicht als hervorragend anerkennen.

Hier gilt es vorsichtig zu sein und nicht dem “Upgrade Syndrom” zu erliegen. Dieses Syndrom sorgt dafür, das wir, obwohl wir bereits etwas Tolles besitzen, der Versuchung erliegen, noch etwas besseres, tolleres, schöneres oder neueres haben zu wollen. Was auch manchmal Sinn machen kann. Aber eben nicht immer.

Mein Opa – der Vater meiner Mutter – lebte in einer kleinen Stadt in Yorkshire (Nordwesten von England) in einer kleinen Industriestadt mit dem Namen Wakefield. Dort lebte er sein ganzen Leben lang. Er wuchs dort auf. Er arbeitete in einer Textilmanufaktur, die Hemden herstellte. Ein wundervoller und sehr liebevoller und äußerst sensibler Mann. Ein Mann, der aber sehr bewusst nie Karriere machen wollte. Der keinerlei materiellen Ziele in seinem Leben verfolgte.

Er sagte mir immer, “warum auch. Alles was ich brauche, habe ich bereits. Ich bin schon angekommen. Mehr zu wollen, macht keinen Sinn, wenn ich das, was ich will, bereits habe.” Ich hatte das damals nicht so richtig verstanden. Heute verstehe ich ihn sehr gut.

„Grandad John, du warst schon damals ein echter Lebensphilosoph“. Er hatte was er wollte und das war sehr wenig. Er lebte in einem kleinen Reihenhaus zur Miete. Es hatte seinen kleinen Garten in dem er sehr viel Zeit verbrachte. Er hatte glaube ich nur 5 oder 6 Hemden, 2 Anzüge (einen für den Sommer und einen für den Winter) und immer nur 1 paar Schuhe. Mehr brauchte er nicht. Er hatte ganz eindeutig sehr wenig Ambitionen.

Und doch hatte er Ambitionen. Seine Ambitionen sahen anders aus. Sein Ziel war das Leben zu genießen. Und eine seiner Formen das Leben zu genießen war das Essen. Ich erinnere mich immer wieder sehr gerne an die ersten Stunden am Tag mit ihm.

Bereits am Morgen zelebrierte er sein Frühstück. Am liebsten mit Toast, einem Entenei als Spiegelei, gebackenem Speck (und an machen Tagen auch ein recht großes Stück Gammon – was ein geräucherter Schinken ist) und natürlich seinem schwarzen Tee mit Milch und einem Teelöffel Zucker.

Alles wurde in Ruhe (mann kann auch sagen mit einem inneren Frieden) vorbereitet und dann auch ganz langsam und voller Genuss gegessen. Es brauchte nichts anderes – im besonderen brauchte er nichts besseres. Besser als das, was er in diesem Moment hatte, gab es für ihn in diesem Moment nicht. Es war für ihn einer dieser wunderbaren (perfekten) Momente.

Natürlich hatte das auch ganz bestimmte Konsequenzen zur Folge. Eine war die, das er stark übergewichtig war. Doch trotz seines sehr starken Übergewichts wurde er “gesund” alt und starb friedvoll im Alter von 89 Jahren. Hier gilt schon der Satz, gute Menschen, sterben einen guten Tot.

Er ging auch jedem Streit – vor allem wenn seine Frau (meine Oma) etwas zum Aussetzen hatte – sehr bewusst aus dem Weg. Das war nicht seine Welt, im Streit mit jemanden zu sein. Ganz gleich um was es ging. Er fand immer einen Weg nicht zu streiten. Und er hatte damit Erfolg. Stress war ganz eindeutig ein Fremdwort für ihn. Vielleicht eines der Gründe, warum er so gesund alt wurde.

Seine Langsamkeit war damals sehr lustig für uns. Manchmal auch ein wenig nervig. Wenn wir mit ihm gemeinsam zum Essen gingen, dann waren wir alle in der Regel schon fertig wenn er noch nicht einmal bei der Hälfte von seinem Teller angekommen war.

Langsamkeit war fester Bestandteil wann immer er aß. Es war für ihn wichtig den Geschmack so lange es ging im Mund zu schmecken und zu genießen. Und wie er es genossen hat. Das gab es wirklich nichts zu verbessern.

Eine zweite Form für ihn das Leben zu genießen, war es Zeit für Menschen zu haben. Zeit, für uns und andere Menschen die für ihn wichtig waren. Um mit uns zu sprechen und für uns da zu sein. Um seine Geschichten vom Leben zu erzählen, seine Anekdoten und Lebensphilosophien. Er wollte uns unterhalten. Denn die meisten seiner Geschichten waren wirklich sehr lustig. Auch das genoss er enorm. Das war wieder so etwas ins seinem Leben, bei dem es nichts zu verbessern gab.


Was ist jetzt schon hervorragend?

Heute denke ich öfters an ihn. Und dann frage ich mich, habe ich denn nicht auch schon Bereiche in meinem Leben, wo jetzt schon das Optimale erreicht ist? Wo es gar nicht mehr besser gehen kann? Wo es nur noch darum geht es jeden Tag zu genießen? Und ich muss lachen, weil ich solche Bereiche habe.

Das ist eine wirklich wichtige Erkenntnis für mich. Ich habe jetzt schon Bereiche, wo das Wunderbare bereits erreicht ist und die jetzt schon da sind. Wo ich nichts durch irgend ein aktives Zutun noch verbessern kann. Eines diese Wunderbaren Dinge ist wenn ich mit meiner Frau Sabine auf der Couch liege. Das geht nicht besser. In diesem Moment ist alles perfekt. Einfach nur genießen. Mehr gibt es nicht zu tun.

Was sind für Sie jetzt schon bereits perfekte Erlebnisse? 

 

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