Wann ist ein Problem, ein Problem?

Probleme lösen

Ein Problem, dass mich NICHT stört, dass mich also NICHT nervt, irritiert oder belastet, ist nicht wirklich ein Problem, sondern ein Projekt oder Aufgabe. Das ist ein sehr interessantes und wie ich denke auch sehr hilfreiches Denkmodell. Dieses Denkmodell hilft uns über unser eigenes Denken nachzudenken. Was wiederum eines der 5 Elemente aus meinem Jahrescoaching Programm ist. 

In den letzten Monaten ist mir (bei mir selbst) verstärkt aufgefallen, dass es immer wieder ganz bestimmte Dinge, Erlebnisse oder Situationen in meinem Leben gab, die mich mehr als sonst „irritiert und frustriert“ haben. Als ich mich dann wieder einmal ein wenig zu sehr nervte, nahm ich diese Verärgerung zum Anlass, um ein wenig bewusster über das „mich nerven zu lassen“ nach zu denken.

Also dachte ich über eine Reihe von nervigen Situationen nach, die ich in den letzten Monaten erlebt hatte, und stelle mir für jede dieser Situationen genau diese Frage. Und in den meisten Fällen war die Antwort immer gleich: „Nein, es wäre dann kein Problem für mich. Es wäre dann entweder ein Projekt (wo ich etwas dagegen tun kann) oder es wäre etwas, das einfach nur ignoriert werden muss.“Denn es gibt immer auch viele Dinge in unserem Leben, für die es sich einfach nicht lohn die eigene Zeit und Energie zu verschwenden. 

Diese Frage ist deshalb so hilfreich, weil sie einem in einer nervigen Situationen hilft, anders als nur emotional darauf zu reagieren sondern in diesem Moment auch ein wenig bewusster über diese nervige Situation zu reflektieren. Also fing ich verstärkt an, diese Frage und Erkenntnis, dass etwas Belastendes (was mich also nervt, irritiert und frustriert) meistens kein Problem für mich darstellt, immer wieder zu nutzen. Und stellte dann zu meiner großen Freude fest, das mein allgemeines Wohlbefinden sich wieder deutlich verbesserte. Diese Denkweise hatte eine sehr positive Wirkung auf mich und meine Lebensqualität. 

Ich erinnerte mich einfach in diesen emotional belastenden Situationen an diese Frage: „Wenn mich eine Sache, die ich gerade erlebe, nicht nerven würde, wäre es dann ein Problem für mich?“

An Flughäfen kann man das immer wieder sehr gut üben. Wenn z.B. ein Flug zwei Stunden Verspätung hat. Wenn Sie merken sollten, dass Sie das nicht stört oder nervt, dann wäre es auch kein Problem für Sie. Da Sie vielleicht für so einem Fall bereits vorgesorgt und z.B. etwas Interessantes zum Lesen mitgenommen haben oder Sie sich in diesen 2 Stunden auf eine andere interessante Art und Weise beschäftigen können.

Mir ist natürlich schon sehr lange klar, dass wenn wir uns unzufrieden und genervt fühlen, dass wir diese belastenden Emotionen immer nur dann in uns selbst aktivieren können, wenn wir selbst uns auch die Erlaubnis geben, uns von diesen Dingen auch stören und nerven zu lassen. Deshalb ist es ja auch für jeden von uns möglich, immer besser darin zu werden, uns eben NICHT (mehr) die Erlaubnis zu geben, uns von bestimmten Dingen stören und nerven zu lassen. Sich über etwas aufzuregen ist sehr oft ein sehr sinnloses Verschwenden unserer Energie. Wir könnten also immer besser darin werden, die sinnlose Verwendung unserer eigenen Energie ein gutes Stück zu reduzieren. 

Über mein eigenes Denken nachzudenken hilft mir mich selbst besser zu verstehen (vor allem was in ganz bestimmten Situationen in mir passiert), um dann auch besser auf mich selbst (in ähnlichen Situationen in der Zukunft) wirken zu können. Vor allem verhindert es, dass ich mich von negativen Gefühlen zu sehr belasten lasse. Was dann am Ende dazu führt, dass ich meine emotionale Energie nicht mit Dingen verschwende, die ich sowieso nicht beeinflussen (keine Kontrolle darüber habe) und auch nicht verändern kann. 

Extra-Tipp: Da ich gerne von belastenden Erlebnissen und Erfahrungen auch etwas lernen möchte, ich also möchte, dass so ein Erlebnis wertvoll für mich ist, nutze ich in solchen Momenten auch immer wieder ein weiteres Instrument aus meinem Coaching-Programm mit dem Namen: „Belastende Erlebnisse Transformieren“. 

Wenn ich lerne kann mit Hilfe dieser Frage auf mich selbst positiv wirken zu können, dann zeigt mir das immer wieder sehr gut auf, dass ich selbst in sehr nervigen und frustrierenden Situationen erkennen kann, dass ich eine Wahl habe (das ich auch in solchen Situationen wählen und entscheiden kann und nicht einfach nur reagieren muss).

Zum einen kann ich natürlich wählen und entscheiden, dass etwas Belastendes mich stört, nervt, frustriert oder irritiert. Damit treffe ich auch die Entscheidung, dass es für mich ein PROBLEM darstellt. Ich könnte mich aber auch dafür entscheiden, das es für mich KEIN Problem darstellt, sondern einfach nur eine Aufgabe oder Projekt ist. Interessanterweise fühlt sich für die meisten ein Problem anders an als ein Projekt. Ein Problem nervt meistens wohingegen ein Projekt einen eher interessiert.

Wir können uns hier selbst sehr gut coachen, in dem wir uns selbst sagen, „wenn dich etwas stört und ärgert, dann denke daran, dass es deine Wahl und Entscheidung ist, dich davon stören und nerven zu lassen.“ Wir können uns dann selbst weiter fragen, „Gibt es also in diesem Moment eine bessere Nutzung meiner Zeit, Energie und Emotionen? Könnte ich in dieser Zeit etwas tun, was für mich, meine Familie, meinen Partner, mein Team, Unternehmen etc. hilfreich und nützlicher wäre (z.B. als Unternehmer einen Projekt-Ergebnis-Planer für ein wichtiges Projekt zu schreiben)?“ 

Wir alle wissen, dass wir immer wieder auf Menschen in unserem Leben treffen, die wir einfach nicht mögen. Meistens, weil diese Menschen sich in ganz bestimmten Situationen auf eine für uns sehr irritierende und frustrierende Art und Weise verhalten. Auch hier kann ich mir die gleiche Frage stellen: „Wenn es mich nicht so sehr nerven würde, hätte ich dann ein Problem mit dieser Person?“ Auch hier wird die Antwort in den meisten Fällen „Nein“ sein. Es ist einfach nur einer dieser Menschen auf dieser Welt, der anders ist wie ich und sich deshalb auch anders verhält wie ich. 
Sich über andere Menschen zu ärgern ist einfach keine gute Nutzung meiner Energie und auch keine gute Nutzung meiner Zeit.

Ich bin im Lauf der Zeit sehr viel besser darin geworden, die Unterschiede zwischen mir und anderen Menschen zu akzeptieren. Heute weiß ich sehr viel besser zu schätzen, dass andere Menschen sich nicht so wie ich verhalten. Dass sie anders denken wie ich und dass diese Tatsache etwas sehr interessantes ist und mich heute nicht mehr so sehr irritiert wie das früher der Fall war. Es ist tatsächlich möglich, dass etwas, was einem früher sehr irritiert und genervt hat, in etwas Interessantes transformiert werden kann. 
Das hat auch etwas mit einem für mich sehr wichtigen Wert, nämlich Freiheit, zu tun. Wenn ich selbst die Freiheit haben möchte, so zu denken und so zu sein wie ich bin, dann sollte ich diese Freiheit auch anderen zugestehen.

Ein weiterer wichtiger Grund über unser eigenes Denken nachzudenken hat damit zu tun, dass die Gehirnforschung uns sehr deutlich aufgezeigt hat, dass unsere Augen nur das sehen und unsere Ohren nur das hören können, nach was unsere Gehirn gerade Ausschau hält. Nach was und wem hält mein Gehirn gerade Ausschau? Möchte es nur die Menschen finden die genauso sind wie ich? Wir können nicht beides haben. Wir können nicht sagen, wir möchten anderes sein wie andere, aber gleichzeitig verlangen wir, dass die anderen Menschen genau so sind wie wir. 

Damit das mit dem reflektieren (über mein eigenes Denken nachzudenken und in belastenden Situationen die Frage zu stellen, „wenn es mich nicht „ärgern“ würde, wäre es dann ein Problem für mich?“) leichter gelingt, können Sie auch immer dann, wenn Sie anfangen sich zu sehr zu ärgern, sich zu allererst mit Hilfe der 90-Sekunden-Technik mental zu beruhigen.

Gemäß meinen eigenen Erfahrungen mit dieser Frage in den letzten Monaten, war die Antwort auf diese Frage in den meisten Fällen: „Nein, es ist kein Problem, es könnte ein Projekt sein, es braucht vielleicht ein paar Korrekturen, eine bessere Vorbereitung für diese Art von Situationen oder noch ein paar Veränderungen.“Aber es nervt einen nicht mehr, es ist einfach nur ein „lernen“. Wir lernen etwas Neues und Interessantes über diese Welt, die außerhalb unserer eigenen Welt existiert. 

Alle, die sich noch oft und viel nerven, haben hier ein sehr wirkungsvolles und nützliches Denkmodell. 

Wir können übrigens, das sinnlose sich nerven auch noch aus eine weiteren Sichtweise betrachten. Das nämlich unsere Zeit in unserem Leben begrenzt ist. Daran kann keiner etwas ändern. Es ist ein fester Bestandteil vom Menschsein. Uns allen steht nur eine bestimmte Anzahl von Jahren zur Verfügung und uns allen stehen auch jeder Tag nur eine begrenzte Anzahl von Stunden zur Verfügung. Jedes Mal wenn es mir gelingt, eine sinnlose negative emotionale Reaktion zu stoppen, dann lerne ich dadurch auch etwas sehr nützliches in Bezug auf die beste Nutzung meiner Zeit. 

Diese Fähigkeit, sich nicht davon nerven zu lassen, wie andere Menschen Dinge tun, ist die Türe durch die wir gehen, um herauszufinden, welche wirklich Intelligente Art und Weisen es gibt, um meine Zeit zu nutzen. Und dass wir unsere eigene anfängliche negative Reaktion nur als ein Signal wahrnehmen, dass es sich um etwas Neues zum lernen handelt. 

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