Authentisch leben – bewusst leben

Als junger Mensch hatte ich sehr klare Ziele für mein Leben. Viele dieser Ziele habe ich erreicht. Einige auch nicht. War es immer ein schönes Gefühl wenn ich eines meiner Ziele erreichte? Ja. Aber dieses gute Gefühl hielt auch immer nur sehr kurz an. Mir wurde irgendwann klar, dass viele meiner Ziele nicht wirklich meine ganz eigenen, authentischen Ziele waren.

Es waren vielmehr Ziele, wo es darum ging das zu erfüllen, was die Welt um mich herum, von mir als erfolgreichen Menschen, erwartete. Doch es gab auch andere Momente. Vor 17 Jahren stand ich vor einem neuen Abschnitt in meinem Leben. Und hier erlebte ich es sehr deutlich, wie es sich anfühlte ein authentisches Ziel zu haben. Ich machte mich damals als MindStore Trainer  selbständig.

Mein Ziel war es Menschen in dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung zu unterrichten und zu coachen. Das sprach mich ganz tief in meinem Inneren an. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt keinerlei Erfahrungen als Trainer hatte. Ein weiteres Mal, wo ich ebenfalls dieses starke positive innere Gefühl erlebte, war als es darum ging, ein alternatives Krebszentrum, das 3E-Zentrum in Buoch, zu kreieren.

In beiden dieser Fälle ging es darum, Wissen und Hoffnung zu vermitteln. Mich mit Themen zu beschäftigen, die komplex und doch enorm wichtig für ein gutes und erfolgreiches Leben sind. Bewusst zu leben bedeutet für mich, mich der Frage zu beschäftigen warum ich hier bin, was meine Aufgabe in diesem Leben für mich ist.  Vielleicht haben Sie sich das auch schon hin und wieder gefragt? Wohin gehöre ich? Wer bin ich eigentlich? Was gibt meinem Leben einen Sinn?

Photo von Sylwia Bartyzel
Photo von Sylwia Bartyzel

Alles große und oft schwerverdauliche Fragen. Und deshalb kann es sein, dass wir keine klaren oder ausreichenden Antworten auf diese Fragen erhalten. Wir denken dann in diesem Moment, weil wir nichts finden können, dass es auch keine Antworten gibt. In meiner Erfahrung gibt es aber doch Antworten. Vor allem dann, wenn wir uns für diese Fragen ausreichend Zeit nehmen.

So kurz mal am Abend die Antworten zu finden, funktioniert für die meisten nicht. Nicht jeder muss sich dafür 5 Wochen (wie in unserem 3E-Zentrum) Zeit nehmen. Aber ich denke es braucht schon ein paar Tage. Damit meine ich Auszeit nehmen – raus aus dem normalen Leben. Das ist beste Basis, um letztendlich sehr viel mehr Klarheit über das eigene Leben zu haben und um sehr viel besser entscheiden zu können, wie die eigene Zukunft aussehen soll.

Die meisten Menschen sind ständig auf der Suche. Doch die meisten wissen nicht genau nach was sie suchen. Wohin soll dieses Leben für mich gehen? 

Die Vorteile sind enorm, wenn wir wieder mehr Klarheit darüber haben, warum wir hier sind. Wenn wir erkennen, was unserem Leben Sinn gibt. Wenn wir wissen, dass das, was wir sind und was wir tun, uns gut tut – zu uns passt.

Im Besonderen sehe ich 5 enorme Vorteile: 

  1. Wir können sehr viel leichter und effektiver mit den vielen Aufgaben des täglichen Lebens umgehen. Wir können mit sehr viel mehr Ausdauer, das für die Zielerreichung notwendige tun.
  2. Wir haben mehr Geduld. Wir müssen nicht immer gleich am Ziel ankommen. Denn das Tun selbst ist bereits motivierend. Wir können dadurch die Reise sehr viel besser genießen und geben nicht gleich so schnell auf, wenn etwas einmal nicht funktioniert.
  3. Wir können sehr viel leichter Entscheidungen treffen. Können leichter JA zu den Dingen sagen, die wirklich zu uns passen. Und können auch sehr viel leichter NEIN zu den Dingen sagen, die eben nicht mehr zu uns passen.
  4. Es gibt uns sehr viel Kraft. Der innere Motor ist aktiv.
  5. Wir finden, weil das Thema zu uns, unseren Werten und besonderen Talenten passt, sehr viel leichter kreative Ideen und Lösungen.

„Es führt, wenn man am Ende seines Lebens auf ein authentisches und bedeutungsvolles Leben zurückblicken will, kein Weg daran vorbei, das zu tun, was wir können und lieben. Das wir uns mit den Dingen beschäftigen die uns vom Herzen und vom Talent her interessieren und ansprechen.“  Author unbekannt

 

Doch wie kann ich herausfinden, was wirklich zu mir passt?

Es gibt ein paar wirklich hilfreiche Konzepte, die einem bei der Antwortfindung helfen können.

(1) Innere & äußere Stille – Selbstreflexion 

Manche nennen es auch Meditation. In die Ruhe kommen und sich dann gezielt Fragen stellen. Fragen wie:

  • Was zählt für mich im Leben wirklich? Welche wichtigen Dinge / Werte etc. möchte ich in meinem Leben erfahren und erleben?
  • Was sind meine besonderen Stärken und Talenten?
  • Für was habe ich eine große natürliche Begeisterung?

authentisch_leben Das hat für mich immer sehr gut funktioniert und kann ich jedem nur empfehlen. Besonders an der Schnittstelle dieser drei Fragen können echte authentische Ziele entstehen. Im Lauf der Zeit glaube ich immer mehr daran, dass es so etwas wie die eigene Stimme des Herzens und der Intuition gibt, die bereits weis, was wir wirklich für uns wollen. Diese Stimme sollten wir natürlich nicht nur hören können. Wir sollten dann natürlich auch den Mut und die Kraft haben, diesen Zielen zu folgen.

(2) Ein weiteres Konzept ist die „Todes- oder Grabesrede“.

Manche nennen es auch die „Lebensbilanz“ Idee. Denn so merkwürdig es auch klingt, im Tod kann man auch den Schlüssel für das eigene Leben, für das wirkliche Glück finden. Hierzu nutzen Sie folgende Art von Fragen:

  • „Wenn heute mein letzter Tag wäre, würde ich dann gerne das tun, was ich mir heute vorgenommen habe.“
  • „Gehen Sie davon aus, dass Sie übermorgen sterben werden. Schreiben Sie jetzt einen Nachruf aus sich selbst.“
  • „Stellen Sie sich vor Sie besuchen ein Museum, wo Ihr Leben ausgestellt wird. Würde Ihnen diese Ausstellung gefallen?

Jemand sagte einmal, „Was für ein Glück, das wir sterblich sind. Sonst würden wir noch mehr Zeit mit Unsinn verbringen.“ Erst die Begrenzung macht das Leben wertvoll. Zwingt uns zur Fokussierung.“

 

3) Ein weiterer Weg ist von den Menschen zu lernen, die Ihr Lebensende bereits erreicht haben

Was würden uns wohl die Menschen, die sterben, raten? In dem Buch von Bonnie Ware mit dem Titel: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden hat sie die Top 5 Dinge aufgleistet. 1. Stelle: Den Mut zu haben, sich selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von einem erwarten 2. Stelle: Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet 3. Stelle: Der Wunsch, mehr von eigenen wahren Gefühlen zu zeigen 4. Stelle: Ich wünschte, ich hätte mehr Kontakt zu Freunden gehalten 5. Stelle:  Der Spaß, also sich mehr Freude am Leben zu gönnen.

Bild von Vo Minh Thong
Bild von Vo Minh Thong

(4) Natürlich können wir auch viel von Studien lernen  

An der renommierten Harvard Universität in den USA wurde eine interessante Langzeit-Studie durchgeführt. Die „Grant-Studie“. Sie begann vor 75 Jahren und wird bis heute weiter fortgeführt. Die Studie will herausfinden, wie ein erfülltes Leben gelingt. Dazu wählten die Forscher 269 Studenten im Jahr 1939 aus. Hier das Ergebnis: 

  • Nur 25% der Personen sagten, dass sie ein gelungenes Leben geführt haben. Das ihr Leben weitgehend positiv verlief und sie von größeren Leiden verschont blieben.
  • Bei ca 33% hielt sich Leid und Zufriedenheit etwa in der Waage.
  • Und 18% haderten doch sehr beträchtlich mit sich und der Welt.

Mit dieser sehr systematischen Vorgehensweise wollten die Forscher die großen Lebensthemen bearbeiten. Natürlich war vieles vorhersehbar, was unter den bisherigen Ergebnissen der noch andauernden Studie zu finden ist. Regelmäßige körperliche Bewegung macht ein gelungenes Leben wahrscheinlicher, ebenso wie: kein Rauchen, keine Übergewicht und wenig Alkohol. Doch einige Ergebnisse erstaunen und machen auch sehr viel Mut. Denn die Studie fand heraus, das mit Abstand wichtigste für uns Menschen ist die Bindung. Dabei geht es nicht unbedingt um die Bindung zum Lebenspartner, sondern eher um die grundsätzliche Beziehung zu anderen Menschen – und zwar im Sinne einer menschenliebenden und einfühlsamen Verbindung.

 

26 Quellen für die Sinnsuche 

Frau Professor Tatjana Schnell von der Universität Innsbruck spricht übrigens von 26 Quellen für die Sinnsuche. Es gibt für sie 5 Dimensionen des Menschen. Sie kommt zu dem Schluss, dass wer sein Leben reicher gestalten möchte, der sollte sich möglichst vielseitig engagieren. Hier sind die 5 Dimensionen und Ihre Unterpunkte: 1) Geistige Orientierung – Religiösität – Spirituatlität 2) Verantwortung – Soziales Engagement – Naturverbundenheit – Selbsterkenntnis – Gesundheit – Schaffen von bleibenden Werten 3) Selbstverwirklichung – Suche nach Herausforderungen – Individualität – Machtbewusstsein – Zielstrebigkeit und Wachstum – Kompetenz und Erfolg – Freiheit und Ungebundenheit – Wissen, Hinterfragen, Verstehen – Kreativität 4) Wir- und Wohlgefühl – Freundschaft und menschliche Nähe – Spaß – Liebe – Wellness – Hilfsbereitschaft – Achtsamkeit und Rituale – Harmonie mit sich und anderen 5) Ordnung – Tradition – Bodenständigkeit – Moral – Vernunft

Zum Schluss

Ein Video (das über 6 Millionen mal angesehen wurde) von Julia Engelmanns, bei Ihrem Poetry Slam Auftritt in Bielefeld 2013 Wie haben Sie für sich herausgefunden, was für Sie sinnvolle und wichtige Ziele in Ihrem Leben sind?

 

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